Das Frühbeet — Teil 2: Bau des Frühbeetkastens und der Abdeckung

Wie im vorherigen Artikel beschrieben, war ich kräftig auf die Schnauze gefallen, indem ich letztes Jahr zu wenig Geld in einen ordentlichen Frühbeetkasten investiert hatte. Der Plan war es also es dieses Mal besser zu machen und diesen Winter zu nutzen, um einen Kasten samt Abdeckung zu basteln, der meinen zugegebener Maßen recht hohen Anforderungen (hier) genügen würde.

Zuerst musste ich das Material für einen solchen Kasten auswählen. Da der Kasten auch nachher noch transportabel sein sollte und zudem modular aufgebaut sein sollte, sprich in der Höhe aufstockbar, fiel Stein oder Beton als Material schonmal raus. Metall ist zwar dauerhaft, leitet aber die Kälte zu gut und ist damit ungeeignet. Bleibt eigentlich ganz klassisch nur noch Holz. Ohne ordentliche Imprägnierung, die jedes Jahr aufgefrischt werden will, ist das aber kein dauerhafter Werkstoff, da dauerhafter Erdkontkat besteht. Oder man investiert in pilzresistente Hölzer wie Lärche, Eiche, Kastanie oder tropische Hölzer, die Kosten aber ein Vermögen. Der früher empfohlene Tauchgang in Teeröl zur Imprägnierung , wirkt garantiert, daran habe ich keinen Zweifel (die alten Telegrafenmasten und Eisenbahnschienen zeigen es), ist aber auch recht krebserregend und deshalb zu recht inzwischen verboten oder mit hohen Auflagen verbunden.

Nach etwas Recherche bin ich dann auf einen Werkstoff gestoßen, der mir vorher nur am Rande bekannt war. Nut und Feder Bretter und Vierkantstäbe aus Recycling-Kunststoff. Dem ein oder anderen mag dieses Material wohl als Grundstoff für Parkbänke oder Kinderspielgerüste bekannt sein. Es ist in grau oder braun erhältlich, bei entsprechender Dicke sehr stabil, UV-beständig, verrottungsbeständig, recht gut wärmedämmend und genauso einfach zu verarbeiten wie Holz. Ganz billig ist es allerdings auch nicht, aber dafür hat es alle Eigenschaften, die ich für notwendig erachte. Ich hatte also ein Material gefunden, mit dem ich testweise ein Frühbeet bauen konnte, was potentiell ein paar Jahre hält, ohne gepflegt werden zu müssen. Die Einkaufliste sah damit wie folgt aus:

Menge Beschreibung Einzelpreis Gesamtpreis
10 m Nut- und Feder Bretter, Recycling-Kunststoff, grau,
30  x 125 mm
4,50 45,00
1,5 m Vierkantpfosten, Recycling-Kunststoff, grau, 40 x 40 mm 2,00 3,00
2 Stck. Scharniere, verzinkt mit demontierbaren Bolzen 4,00 8,00
1 Rolle Lochblechstreifen zur Fixierung von Nut- und Federbrettern 8,00 8,00
1 Stck. Stegplatte Plexiglas Alltop klar, 16 mm Stärke,  770 x 1300 mm 80,00 80,00
5 m Abschlussschiene, Alu, 16 mm für Stegplatte 3,00 15,00
1 Stck. Silikon zum Verkleben der Abschlussschienen 3,00 3,00
1 Stck. Automatischer Fensteröffner (thermo-mechanisch) 25,00 25,00
 Gesamtpreis inkl. MwSt.
   187,00 €

Zugeben nicht ganz billig, um nicht zu sagen ziemlich teuer, aber billig ist das in der Qualität und Beständigkeit einfach nicht zu haben. Hinzu kommen noch diverse (Holz-)Schrauben, die bei mir aus der üblichen „Krabbelkiste“ kamen. An Werkzeug habe ich nur einen japanischen Fuchsschwanz und einen Zollstock / eine Winkellehre zum Ablängen der Bretter und Pfosten, eine Metallsäge zum Ablängen der Lochblechstreifen und der Abschlussschienen, eine Bohrmaschine mit Holzbohrer zum Vorbohren der Löcher und einen schnöden Kreuzschraubendreher verwendet.

Die Stegplatte habe ich mir auf Maß zuschneiden und schicken lassen. Sie ist auch das Teuerste am ganzen Frühbeet. Ich habe mich an dieser Stelle für die Edelvariante entschieden, da ich im ersten Anlauf ein Frühbeet bauen wollte, das hinsichtlich seiner Eigenschaften sehr hochwertig ist. Ggf. würde ich dann beim Bau eines zweiten Hochbeetes hier sparen, mal sehen. Die Alltop Stegplatte ist — anders als die billigeren Vertreter, die schon für 1/3 des Preises zu haben sind — UV durchlässig und ingesamt extrem lichtdurchlässig, weshalb sie auch für den Bau von Schildkrötenhäusern und sehr hochwertigen Gewächshäusern verwendet wird. Ich hatte auch über die Verwendung von Glas — ganz klassisch — nachgedacht. Eine einfache Glasscheibe ist allerdings hinsichtlich des schlechten Wärmedämmwerts indiskutabel, eine Mehrfachverglasung hingegen, ist nicht nur unpraktikabel schwer, sonder lässt auch nicht mehr hinreichend Licht durch. Es bleibt also dabei, möchte man keine Kompromisse eingehen, ist die (teure) Alltop das, was man braucht.

Aber zurück zum Zuschnitt der Recycling-Bretter. Der Frühbeeetkasten hat eine Breite von 120 cm und eine Länge von 60 cm. Da die Bretter in Maximallängen von 1,4 m per Post verschickt wurden (alles darüber hinaus hätte eine teure Spedition erfordert), musste ich an manchen Stellen stückeln, um nicht zuviel Verschnitt zu haben. Das ist auch der Grund, warum ich die Seiten, die eine Länge von 60 cm hatten z. T. aus 40 cm und 20 cm Stücken (siehe Bild) zusammengeffügt habe. Da alle Bretter über Nut und Feder verfügen geht das anstandslos, seitlich habe ich die Bretter dann noch mit Lochblechstreifen fixiert. Würde man nicht stückeln müssen, wären die Lochblechstreifen überflüssig, sie dienen nur dazu das Material besser auszunutzen.

Zuschnitt eines Recycling Kunststoffbretts

Zuschnitt eines Recycling Kunststoffbretts

In allen vier Ecken habe ich Stücke vom Vierkantpfosten verwendet, um die Bretter zusammenzuschrauben. Grundsätzlich kann man natürlich die Bretter auch ohne Pfosten direkt aneinanderschrauben oder Winkel verwenden. In den alten Büchern (siehe hier) wird aber immer dazu geraten Pfosten in jeder Ecke zu verwenden, da sich der Kasten dann nicht so verzieht. Den Vierkantpfosten habe ich mit der Säge auf exakt 125 mm abgelängt, so dass er der Höhe der Bretter entsprach. Ich habe die Pfosten aber stets um 25 mm nach unten versetzt verschraubt, so dass später beliebig viele Elemente (bestehend aus vier Pfosten und vier Brettern mit den Maßen 60 cm x 120 cm) entsprechend eines modularen Systems übereinandergesetzt werden können, um auch höheren Pflanzen Platz zu bieten. Durch den Versatz der Pfosten wird ein hohes Mass an Eigenstabilität erreicht, da jedes Element in das darüber und darunter liegende greift.

Montage der Recycling Kunststoffbretter mit Edelstahlschrauben an den Vierkantpfosten

Montage der Recycling Kunststoffbretter mit Edelstahlschrauben an den Vierkantpfosten

Damit die die Abdeckung später nach Süden geneigt werden kann und der Regen ablaufen kann, muss die letzte Lage der Bretter entsprechend abgeschrägt werden. Ich habe mich dazu entschlossen der Einfachheit halber bei der letzen Lage hinten ein Brett zu verwenden (Höhe: 125 mm), vorne kein Brett zu verwenden und an den beiden Seiten ensprechende „Keile“ zu schneiden, die von 125 mm auf 0 mm auslaufen (bei einer Länge von 600 mm). Beim Zuschnitt des Keils habe ich wiederrum die erforderliche Länge von 60 cm aus 40 cm und 20 cm zusammengefügt und für den Zuschnitt Klebeband verwendet, um die Teile zusammenzuhalten. Anschließend wurde hier wiederrum ein Lochblechstreifen zur dauerhaften Fixierung verwendet (siehe Bild weiter unten).

Zuschneiden eines Recycling Kunststoffbretts zur Herstellung der Dachschräge

Zuschneiden eines Recycling Kunststoffbretts zur Herstellung der Dachschräge

 

Verbindung der Bretter mit Lochblechstreifen und überlappende Pfosten der Innenecken

Verbindung der Bretter mit Lochblechstreifen und überlappende Pfosten der Innenecken

Die verwendeten Scharniere kann man mittels eines Bolzens, den man rausziehen kann mittels Sekunden in zwei Teile zerlegen. Damit wird es Möglich die Abdeckung jederzeit abzunehmen. Das Scharnier konnte ich nicht direkt in der Platte verankern, die wäre dann gebrochen, da zu spröde. Deshalb die optisch wenig ansprechende, aber mit Bordmitteln leicht umzusetzende Lösung mit einem Stück Kunststoffbrett (siehe Bild).

Demontierbares Scharnier mit Bolzen verschraubt mit Abdeckung Frühbeet

Demontierbares Scharnier mit Bolzen verschraubt mit Abdeckung Frühbeet

So sieht das Frühbeet dann im Ganzen aus. Hier habe ich im März (siehe hier) bereits die ersten Saaten eingebracht. Eigentlich müsste ich die Aluleisten noch mit Silikon versiegeln, damit kein Wasser reinlaufen kann / kein Schwitzwasser in den Kammern entsteht. Wie es manchmal so ist, wenn die Zeit knapp ist… dieser Arbeitschritt steht — ebenso wie die Montage des thermo-elektrischen Öffners — noch aus.

Fertiges DIY Frühbeet aus Kunststoffbrettern und Doppelstegplatte

Fertiges DIY Frühbeet aus Kunststoffbrettern und Doppelstegplatte

 

6 Gedanken zu „Das Frühbeet — Teil 2: Bau des Frühbeetkastens und der Abdeckung

  1. Hallo Gourmetbauer!

    Sehr schönes Teil. Ich habe etwas ähnliches dieses Frühjahr gebaut. Aber: Woher hast du denn die Scharniere (verzinkt mit demontierbaren Bolzen)? Die könnte ich auch gebrauchen, für mein Projekt.

    Gruß
    Frank

  2. Hallo Gourmetbauer!
    Super interessanter artikel und respekt wie gut du das Frühbeet hinbekommen hast!
    eine Frage hätte ich: wo hast du die doppelstegplatten bestellt? ich finde keine wirklich preiswerten.
    Danke im Vorraus.
    Simon

    • Hallo Simon,
      danke!
      Doppelstegplatten in dieser Qualität sind leider nicht günstig zu haben. Ich habe meine von stegplattenshop.com (Produktname und Preis siehe Tabelle in meinem Artikel). Es gibt aber auch noch ein paar andere shops, die zum mehr oder minder gleichen Kurs anbieten.
      Viele Grüße!
      Frank.

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