Geschaelte bunte Moehren violett gelb weiss orange

Sortenportraits der Möhren ‚Pariser Markt‘, ‚Purple Haze‘ und ‚Nantaise‘

Möhren bzw. Karotten sind jedes Jahr in unserem Garten zu finden. Oftmals auch verschiedene Sorten, die sich vorwiegend hinsichtlich ihrer Farbe und Wuchsform unterscheiden. Was aber macht gerade die Möhre für die Selbstversorgerung so interessant? Was sind empfehlenswerte Sorten für den Biogarten, um das ganze Jahr über knackig frische Wurzeln für die Küche zu haben? Diese Fragen werde ich in diesem Artikel etwas näher beleuchten.

Möhrensaatgut keimt sehr langsam

Die Möhre (Daucus Carota) ist eine typische Vertreterin aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Zu dieser Familie zählen neben der Möhre auch der Dill, die Pastinake, die Sellerie, der Fenchel, die Petersilie. Alles Gemüse und/oder Gewürze, die reich an ätherischen Ölen sind und deshalb im frischen, angeschnittenen Zustand ein überaus vielschichtiges Aroma freisetzen. Einfach mal die Blätter einer frischen Karotte kleinschnibbeln, auch diese verströmen einen intensiven, appetitanregenden Duft, der so typisch ist für diese Familie.

Die Doldenblütler weisen auch einige typische Eigenschaften auf, die man kennen muss, um sie erfolgreich anzubauen. Ich möchte hier nur auf den meiner Meinung nach wichtigsten Punkt eingehen: Das Saatgut dieser Familie keimt leider überaus langsam. Man könnte denken das ist egal, sät man einfach früher aus, aber da gibt es das Problem, dass viele der Unkräuter numal überaus schnell keimen.

Möhren sind deshalb in den ersten Wochen / Monaten sehr pflegenintensiv, da man die jungen Pflänzchen zwingend von Unkraut befreien muss, da sie sonst überwuchert werden und das Wachstum einstellen. Mit der Hacke kann man das zwar zwischen den Reihen, aber nicht innerhalb der Reihen machen. Das wäre dann z.B. ein Fall, indem ein Herbizid unbestritten extremste Arbeitserleichterung bieten würde. Ich beschränke mich aber auf die rein mechanische Entfernung und so bleibt nichts anderes übrig als händisch in den Reihen Unkraut zu jäten, was im Hobbybereich durchaus Spaß bringt.

Möhren bauen wir jedes Jahr an

Warum sollten gerade Möhren (neben ein paar weiteren Gemüsen) und nicht z.B. Haferwurzeln, Auberginen, Mangold, Asiasalate […] reichlich angebaut werden? Das hat aus meiner Sicht im Wesentlichen folgende fünf Gründe:

  • Es gibt kaum jemanden, der Möhren nicht mag (Gegenbeispiele: Schwarzwurzeln, Rosenkohl, Grünkohl etc.)
  • Möhren sind sehr vielseitig in der Küche verwendbar (Gegenbeispiele: rote Bete, Mangold etc.)
  • Möhren sind lagerfähig und so das ganze Jahr über verfügbar (Gegenbeispiele: Frucht- und Blattgemüse)
  • Möhren sind relativ kältetolerant und damit vielseitig bei der Fruchtwechselplanung (Gegenbeispiele: Mais, Gurken, Kartoffeln, Tomaten)
  • Möhren sind sehr ertragreich (Ertrag und Kalorien je m² Anbaufläche)

Diese Gründe machen sie praktisch unverzichtbar im eigenen Garten, sofern man nur das Unkraut und an manchen Standorten ggf. noch die Möhrenfliege (Chamaepsila rosae) in Schach hält.

Was unterscheidet die verschiedenen Möhrensorten?

Sicher gibt es eine ganze Reihe von Eigenschaften, durch die sich die zig verschiedenen Mörensorten voneinander unterscheiden. Ich möchte hier aber diejenigen anreissen, die für die Verwendung von Möhren in meiner Küche von Bedeutung sind.

Wichtig ist für mich die Farbe und der Geschmack. Das Möhren orange sind würde man meinen weiß jedes Kind. Hätte man vor ein paar hundert Jahren ein Kind gefragt, es hätte weiß oder rot geantwortet und das völlig zu recht. Die orangefarbene Möhre, wie wir sie heute kennen, ist erst seit der Renaissance auf unserern Tafeln zu finden (Seidel, 2012). Die orangefarbene Möhre kommt dabei ursprünglich aus Afghanistan, rote und weiße Formen aus dem Mittelmeerraum und Kleinasien (Seidel, 2012). Insgesamt reicht das Farbspektrum der Möhre von weiß, grünstichig, gelb, orange, rot, violett bis fast schwarz. Dabei können auch beliebige Mischformen auftreten, also z.B. weiße Möhren mit violetten Sprenklern.

Bunte Farben sind in der Küche und später dann auf dem Teller natürlich immer gerne gesehen. Einschränken muss man hier allerdings auf die sehr dunklen violetten Sorten. Diese färben doch schon sehr (ansatzweise so wie rote Bete), so dass die Verwendung je nach Gericht schon etwas eingeschränkt ist. Umso spannender sind sie dann als Deko oder einfach roh.

Mit den unterschiedlichen Farben geht aber auch oftmals ein anderer Geschmack einher, der für die Küche durchaus spannend ist. Meine bisherigen Erfahrungen aus dem eigenen Garten und aus Kostproben von diversen Märkten zeigen aber, dass die weißen/gelben Sorten eher ätherisch schmecken, wie eine milde Form einer Pastinake könnte man sagen. Insgesamt ist es aber wie ich finde ein Highlight einen Teller frisch geschälter bunter Möhren vor sich zu haben und die gesamte Bandbreite des Geschmacks von Daucus Carota durchtesten zu können.

Die Mörensorte ‚Pariser Markt‘: Eigenschaften, Saat und Wuchs

Die Möhre ‚Pariser Markt‘ oder ‚Pariser Treib‘ ist eine sehr alte Sorte. Sie findet sich schon namentlich erwähnt in Hampel (1920) und Beuss (1938). Es verwundert nicht, dass in beiden Quellen eine Zeichnung von ihr zu finden ist, ist sie doch in ihrer kugeligen Form eine Besonderheit. Aber nicht nur die kugelige Form ist eine Besonderheit an dieser Sorte, rede Rübe ist vergleichsweise klein. Diese Eigenschaft macht sie besonders geeignet als sogenannten Treibkarotte, also eine Möhrensorte, die sich bereits im sehr zeitigen Frühjahr in Frühbeeten oder Gewächshäusern „treiben“ lässt. Dazu braucht es nämlich generell sogeannte „frühre Sorten“, diese bilden schneller eine genussreife Frucht / genussreife Blätter oder aber wie in diesem Fall genussreife Rüben.

Die kugelige Form habe ich zumindest noch nie als Bundware auf dem Markt oder im Supermarkt gesehen, wohl aber als Konservenware mit oder ohne Erbsen. Da ich immer an Neuem interessiert bin und ich natürlich auch wissen wollte, wie sie denn schmeckt — die organgene Kugel — hatte ich in diesem Jahr ein paar Meter ‚Pariser Markt‚ gesät. Das Saatgut stammte von Gerd Bohls Samenarchiv.

Wie üblich hatte ich die Möhren im März gesät. Zuerst keimten die Radieschen, die ich immer als Markierungssaat mit aussäe. Die meisten der Radieschen habe ich dann zusammen aus der Reihe geerntet, um sie nach entsprechender Auslese als Saatgutträger zu verwenden. Das Sastgut der Möhre ‚Pariser Markt‘ ist aber auch sehr gut aufgegangen, ich hatte eine vollständig geschlossene Reihe vor mir. Nachdem die schnellwüchsigen Radieschen nach ihrer Ernte schon Einiges an Platz für die langsamwachsenden Möhren freigegeben hatten, musste ich aber noch weiter ausdünnen. Das Resultat zeigt sich dann im folgenden Bild, das im Frühsommer 2016 entstanden ist. Diese Sorte habe ich nicht so stark pikiert, wie ich es bei späten Möhren mache, die länger auf dem Beet bleiben (oftmals über Winter).

Reife Möhren der Sorte 'Pariser Markt' im Beet

Reife Möhren der Sorte ‚Pariser Markt‘ im Beet

Die Mörensorte ‚Pariser Markt‘: Ernte und Bewertung

Geerntet habe ich Mitte Juli, wobei ich locker schon zwei vielleicht auch vier Wochen früher hätte ernten können, ich kam blos nicht dazu. Ich hatte etwa 4 Meter Reihe gesät und musste feststellen, dass trotz gutem Aufgang der Saat und vitalem Wuchs das Ergebnis doch augenscheinlich recht mager war.

Ich habe die Ernte nicht gewogen, aber dass, was auf dem Foto zu sehen ist, ist alles was ich ernten konnte. Dabei gab es außer ein paar zu kleinen Möhren keinerlei Ausschuss. Keine geplatzten oder angefaulten Möhren, konnte ich finden. Der Grund, warum die Ernte so gering erscheint liegt einfach daran, dass diese Möhrensorte kugelfürmig ist und damit das Gewicht je Möhre gering ist. Es handelt sich aber auch um eine frühe Sorte, die normalerweise schnell wieder das Beet räumt, da sie keinen weiteren Zuwachs bietet.

Ernte der Möhren 'Pariser Markt' aus 4 m Reihe

Ernte der Möhren ‚Pariser Markt‘ aus 4 m Reihe

Das Formenspektrum der Möhre ‚Pariser Markt‘ ist als relativ homogen zu bezeichnen. Auf dem folgenden Bild sind bereits alle Individuen abgebildet, die etwas aus der Rolle fielen. So ist die größte Möhre der Ernte oben rechts zu finden, die längste/dünnste (völlig sortenuntypisch) unten rechts und eine einzige beinige Möhre auf der linken Seite (zweite von unten). Dieses recht homogene Bild ist als positiv zu bewerten, da es für die Stabilität dieser Sorte (genauer: meiner Charge an Saatgut) spricht und eine gleichmäßige Abreife und einheitliche Verwendung in der Küche (z.B. Kochzeit, wenn man die Möhren nicht klein schneidet) bedeutet.

Formenspektrum der Möhrensorte 'Pariser Markt'

Formenspektrum der Möhrensorte ‚Pariser Markt‘

Beim Schälen dieser Möhresorte fiel mir ein Nachteil auf, den ich versucht habe auf dem folgenden Bild festzuhalten. Die Ansätze des Blattgrüns sind nämlich leider nach innen gewölbt. Das führt dazu, dass wenn man nicht gerade sehr filligrane fillietierungstechniken anwendet, man einen guten Teil der „Kappe“ wegschneiden muss, bevor man das „Grüne“ weggeschnitten hat. Damit verliert man aber einen wesentlichen Teil der Wurzel, sie ist schließlich recht klein. Das ist ein doch entscheidender Nachteil bei der Verarbeitung dieser Möhrensorte. Anders mag es sein, wenn man sie wirlich sehr jung erntet, dann lässt sich der grüne Blattansatz gut mitessen ohne dass es faserig schmeckt.

Möhre mit abgeschnittenen Blättern der Sorte 'Pariser Markt'

Möhre mit abgeschnittenen Blättern der Sorte ‚Pariser Markt‘

Die Mörensorte ‚Purple Haze‘

Möhren waren bis vor ein paar Jahrhunderten gar nicht orange, sondern hatten die wildesten Farben. Und so dachte ich mir bestellste Dir mal Saatgut einer andersfarbigen Möhrensorte. Der Name ‚Purple Haze‘ erschien da recht vielversprechend und so bestellte ich die Sorte Anfang 2016 bei Bohls Samenarchiv. Das Saatgut kam am gleichen Tag in die Erde, wie die anderen hier beschriebenen Möhrensorten.

Leider lief das Saatgut nur sehr unzureichend auf. Dass es an der Behandlung des Saatguts gelegen hätte, halte ich für eher unwahrscheinlich, hatte es doch die exakt gleichen Bedingungen wie die anderen beiden Sorten auch und die keimten ausgezeichnet. Eine Möglichkeit wäre unzureichend ausgereiftet oder überaltertertes Saatgut, was sich bei einem privaten Saatgutarchiv praktisch nicht prüfen lässt.

Die Pflanzen allerdings, die keimten entwickelten sich durchweg gut. Als ich dann die ersten paar Rüben aus dem Boden zog, wunderte ich mich schon sehr. Wirklich ‚purple‘ waren nur ein paar wenige Exemplare. Der Rest der Rüben war, wie auf den Bildern zu sehen, einfach bunt. Bei einem privaten Saatgutarchiv, kann das prinzipbedingt schonmal vorkommen, da Samen durch alle möglichen Leute mit wenig bis viel know how vermehrt und eingespeist werden. Insbesondere Möhren aber z.B. auch Fremdbefruchter wie rote Bete und Kohl sind dann anfällig für ungewollte Verkreuzungen, wenn die Isolationsbedingungen nicht konsequent eingehalten wurden.

Bunte Moehren violett gelb weiss orange

Bunte Moehren violett gelb weiss orange

Drei große beinige Moehren bunt

Drei große beinige Moehren bunt

Auffällig war neben den unterschiedlichen Farben der hohe Formenreichtum (dick, dünn, lang und kurz) dieser ungewollten Mischung. Es waren auch drei extrem beinige Exemplare dabei, die ich so noch nicht gesehen hatte. Nicht eine einzige dieser Möhren war geplatzt aufgrund der sehr wechselhaften Wasserversorgung dieses Jahr (ich giesse ja bekanntlich nicht), was der Mischung hoch anzurechnen ist.

Geschaelte bunte Moehren violett gelb weiss orange

Geschaelte bunte Moehren violett gelb weiss orange

Insgesamt bleibt für mich bei dieser Mischung festzuhalten, dass sie mir — obwohl gar nicht bestellt — sehr gut zugesagt hat. Wäre sie besser gekeimt, wäre alles gut gewesen. Die Möhren waren sehr lecker und jede war in Bezug auf ihren Geschmack eine kleine Überraschung. Eine schöne Sache zum dekorieren oder einfach so als knackige Rohkost, Suppeneinlage oder Gemüse. Eine sehr gewöhnliche Möhrensorte ersetzt solch eine Mischung jedoch in meinen Augen nicht. Dort, wo ich „Masse“ und einen sehr gleichmäßigen Wuchs zur leichteren Einlagerung brauche, ist eine solche urtümliche Mischung nicht geeignet. Sie darf bleiben, aber nur als add-on, nicht als „Brot-und-Butter-Möhre“.

Die Möhrensorte „Nantaise“: Ein Klassiker zum Vergleich

Zu einer ebensolchen „Brot-und-Butter-Möhre“ würde ich die Sorte ‚Nantaise‘ zählen. Auch sie gibt es schon ewig, mehr als 100 Jahre alte Gartenbücher weisen sie schon als Sorte aus. Sie ist z.T auch unter der Bezeichnung ‚Fanal‘ im Handel zu finden und absolut keine Rarität, sondern überaus gewöhnlich. ‚Nantaise‘ hat viele Vorteile. Nach meinen Erfahrungen ist sie sehr ertragreich, insbesondere im Frühsommer süß und erzeugt gleichförmige, nicht beinige Wurzeln. Letzteres ist nicht nur bei der Einlagerung von Vorteil, sondern auch wenn man die Möhren im Frühsommer als Ganzes kocht oder „wokt“ und so alle gleichzeitig gar werden.

Der Nachteil dieser Sorte — so auch dieses Jahr — liegt aber in ihrere Anfälligkeit zum Platzen bei ungleichmäßiger Wasserzufuhr. Zum Teil reißen die Wurzeln dann völlig auf und es dauert nicht lange, bis die ersten Asseln, Würmer und Schnecken dort ihr neues zu Hause finden. Meist kommt es dann zu Fäulnis und man kann die Möhren getrost entsorgen. Manchmal „verholzen“ sie aber auch wieder und können so noch weiter wachsen. Für mich ist diese Sorte — sofern ich nicht zukünftig weitere Versuche für weniger platzempfindliche Möhren durchführe — bis auf Weiteres eine sehr empfehlenwerte Sorte, ein Alleskönner eben. Ich baue sie im kommenden Jahr wieder an.

Möhren Nantaise

Möhren Nantaise

Fazit

Wie bei vielen anderen Gemüsesorten so gilt auch für die Möhre, dass es für jeden Hauptverwendungszweck Sorten gibt, die diesen mehr oder weniger gut bedienen. So kann es mir darum gehen, möglichst früh im Jahre Möhren zu ernten, dann ist ‚Pariser Markt‘ die richtige Wahl. Eine bunte Mischung ganz verschiedener Sorten bereichert sicher den Speiseplan und ist auch sehr leicht dem Nachwuchs als Knabberei zu vermitteln. Möchte ich hingegen einen etragreichen, lagerfähigen Alleskönner, dann würde ich ‚Nantaise‘ empfehlen. Für alle Möhren gilt: Ist das Jungpflanzenstadium mit seinem bei den Möhren langsamen Wachstum (hoher Unkrautdruck!) überstanden, ist sie ein sehr ertragreiches, leckeres, lagerfähiges und überaus vielfältiges Gemüse, das praktisch von selbst wächst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.