Radieschensamen

Vermehrung von Radieschen — Teil 2: Ernte und Reinigung der Samen mit Keimtest

Während es im ersten Teil dieses Artikels um die Auswahl, Pflanzung und Entwicklung der Saatgutträger bei den Radieschen bis zur Blüte ging, wird es in diesem zweiten Teil um die Entwicklung der Samenschoten bis zum Saatgut gehen. Dabei werde ich insbesondere auf die Gewinnung und Reinigung des Saatguts sowie den sich anschließenden Keimtest eingehen. All das dient dazu ein Saatgut von ausgezeichneter Keimrate und Lagerungsfähigkeit zu erzeugen, dass die sortentypischen Eigenschaften in sich vereint. So viel Mühe lohnt durchaus, denn damit ist der Saatgutvorrat für die kommenden Jahre gesichert, und die Flächen stehen für andere Kulturen zur Verfügung.

Überfall der mehligen Kohlblattlaus

Bei Radieschen handelt es sich bekanntlich um Kohlgewächse (erkennbar u. a. an deren typischen senfartigen Geschmack). Es wunderte mich daher gar nicht, dass sich im Spätsommer einige Kolonien der mehligen Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) auf den Samenträgern breit machten. Bei der Saatgutvermehrung ist das eine nicht zu unterschätzende zusätzliche Schwierigkeit im Vergleich zum einfachen Anbau der Kulturpflanzen, da die Saatgutträger länger auf dem Beet stehen. Die Saatgutträger sind damit sehr viel länger Wind und Wetter aber auch Fressfeinden ausgegesetzt, mal ganz abgesehen davon, dass sie, wenn sie schon Samen angesetzt haben ihren Zenit und damit ihre Vitalität bereits hinter sich gebracht haben. In diesem Fall hatte ich allerdings Glück und konnte auf Gegenwehr durch Marienkäfer setzen. Ich spritze selbst mit Seifenlauge nur ungern — unnötiger Aufwand und besser wird die Qualität dadurch sicher auch nicht.

Marienkaefer-in-Blattlauskolonie-auf-Radieschen

Marienkäfer in Blattlauskolonie auf Radieschen

Stützen der Saatgutträger

Mitte September hatte sich die Farbe der Samenschoten schon von grün nach gelb/braun verändert. Wie bei so vielen Samenträgern ist auch hier eine Abstützung zwingend erforderlich. Anderfalls würden die langen, dürren und teils brüchigen Stengel beim nächsten größereren Schauer oder auffrischenden Wind auf dem Boden liegen. Ich stütze dabei möglichst nicht jeden einzelnen Stengel ab, sondern „umzingel“ die Saatgutträger mit ein Bambusstöcken und „zäune“ die Stengel mit einem Bindfaden ein. Dabei ausreichend Luft lassen, sonst wächst der Schimmel wo er nicht wachsen soll.

Samenstaende-Radieschen-Mitte-September

Reife Samenstände der Radieschen Mitte September

Wann ist das Saatgut reif?

Wann sind nun die Samenschoten der Radieschen erntereif? Ganz einfach: Man reibt eine Schote zwischen den Fingern und wenn sie dabei zerbröselt kann geerntet werden. Dieser Tipp hilft aber wenig bis gar nicht bei regnerischem Wetter, da die Schoten dann gummiartig sind. Dann bitte eine Schote öffnen und die Samenkörner ansehen. Wenn diese so aussehen wie die, die man im Frühling ins Beet gestreut hat (rund, prall und braun in unterschiedlichen Nuancen), kann geerntet werden.

Es macht durchaus Sinn nicht nur eine Schote zu öffnen sondern ein paar. Man wird nie einen Zustand erreichen, bei dem die Samenkörner wirklich aller Schoten reif sind, da sich bis zur Ernte z.T. immernoch Blüten und damit neue Schoten entwicklen. Es geht darum dann zu ernten, wenn die meisten Samenkörner in den Schoten bereits reif sind; gleichzeitig aber nicht so lange gewartet wird bis die ältesten Schoten bereits Schimmel ansetzen. Im Zweifelsfall lieber etwas früher ernten und an einem luftigen Ort hängend (oder liegend z.B. auf Zeitungspapier) nachtrocknen.

Geerntete-Samenstaende-Radieschen

Geerntete Samenstaende der Radieschen mit Wurzeln

Die völlig ausgelaugten Wurzeln der Samenträger

Zur Ernte habe ich die gesamten Saatgutträger inkl. Wurzel aus dem Boden gezogen. Sie waren noch nicht vollständig trocken und aufgrund der angesagten miesen Wetterlage wollte ich das Schimmelrisiko minimieren und habe nachgetrocknet. Sehr interessant finde ich die „Radieschen“. Man sieht förmlich, wie sie die in ihnen gespeicherte Energie restlos zur Produktion der Samen abgegeben haben. Das vordere Radieschen im Bild ist praktisch hohl und besteht nur noch aus den Leitungsbahnen.

Ausgelaugte-Radieschen-nach-Ernte-der-Samenstaende

Völlig ausgelaugte Radieschenwurzeln nach Ernte der Samenstaende

Öffnen der Samenschoten („Dreschen“)

Getrocknet habe ich wie gesagt auf ausgelegtem Zeitungspapier in der Garage. Bei der kleinen Menge geht das recht gut, bei größeren hätte ich wohl „Sträusse“ gebunden und diese luftig aufgehangen. Bei den Radieschen geht das problemlos, da die Samenschoten auch bei Vollreife nicht von selbst aufspringen (anders als z. B. beim Grünkohl) und man damit nicht Gefahr läuft das ganze mühsamst produzierte Saatgut zu verlieren.

Um die Samen aus den Schoten zu bekommen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Bei größeren Mengen könnte man ein mit den reifen Schoten gefülltes Speissfass (70 L) nehmen und auf ihnen herumtreten, bis sie die Samen freigeben. Alternativ kann man die Schoten in einen alten Kopfkissenbezug füllen und mit einem Knüppel darauf herumprügeln. Oder man bemüht — das aber nur bei wirklich sehr großen Mengen — nach alt Väter Sitte einen Drechflegel, aber wer produziert schonn soviel Saatgut?! In meinem Fall habe ich übrigens eine ordinäre Mülltüte und ein Nudelholz genommen. Schoten in die Tüte, kreuz-und-quer drüberrollen, fertig. Für kleine Mengen ist dieses Verfahren durchaus geeignet.

Öffnen der getrockneten Samenschoten der Radieschen in einem Plastiksack mit Nudelholz

Öffnen der getrockneten Samenschoten der Radieschen in einem Plastiksack mit Nudelholz

Dreschen mit dem Nudelholz

Nachdem das Nudelholz gewütet hat, sieht es so aus wie auf dem folgenden Bild. Mit Hilfe eines Siebs könnte man nun die größeren, geöffneten Samenschoten vom jetzt freigelegten Saatgut absieben. Leider produzierte das Nudelholz aber auch eine ganze Menge von Partikeln, die kleiner als das Saatgut sind und die damit nicht abgesiebt werden können, es sei denn man benutzt Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten — die habe ich jedoch nicht. Einfacher ist es da nicht die Größe der Partikel zur Trennung zur Verwenden, sondern deren Dichte. Mal abgesehen von kleinen Steinchen, die durch eine Verunreinigung mit in diesem Wust sein könnten, haben die Samenkörner eine signifikant größere Dichte als alle anderen Bestandteile des Gemenges (Samenschoten, Stängel etc.)

Geöffnete Samenschoten und Stengelreste der Radieschen

Geöffnete Samenschoten und Stengelreste der Radieschen

Reinigung der Samen durch Sichten

Man trennt also nach Dichte, was man dann technisch als „Sichten“ bezeichnet, in der traditionellen Bäuerlichen Anwendung auch als „Worfeln“. Während zum Sichten beliebig viele technische Apparaturen existieren, wurde das Worfeln mit einer Art flachen Schüssel (der Worfel) per Hand vollführt. Der Bauer/ die Bäuerin gaben das zu trennende Gemisch in die Worfel, stellte sich in den Wind, warf das Gemisch wiederholt nach oben und fing es mit der Worfel wieder auf. Die Bestandteile mit der geringeren Dichte („die Spreu“) konnten so von den Bestandteilen mit der größeren Dichte (z.B. „der Weizen“) getrennt werden. Bei so wenig Saatgut wie bei mir tat es dann auch eine einfache flache Schüssel und ein stetig wehender Wind aus meinem Munde. Nach ein paar Minuten war alles weggepustet, was kein Saatgut war.

Trennen der Radieschensamen (vorne) von den geöffneten Schoten und den Stengelresten durch Sichten

Trennen der Radieschensamen (vorne) von den geöffneten Schoten und den Stengelresten durch Sichten

Trocknung und Lagerung der Samen

So sieht dann das Saatgut nach dem Sichten aus (siehe Bild). Interessant finde ich die unterschiedlichen Farbtöne des Saatguts, obwohl ich 9 gleichartige, vitale Pflanzen miteinander gekreuzt hatte (bzw. die Schwebfliegen, Käfer und sonstige Fliegen, die das für mich erledigten). Ich trockne das Saatgut nach erfolgter Reinigung immernoch wenige Wochen nach, indem ich es auf einen Teller in ein Regal im Haus stelle. Anschließend verstaue ich das Saatgut gut beschriftet (Sorte, Vermehrungsjahr und Ergebnis Keimtest mit Datum) mit ein paar Beuteln Silikagel im Schraubdeckelglas. Bei dieser schonenden Lagerung brauche ich die nächsten vier Jahre (siehe Faktentabelle unten) keine Radieschen zu vermehren, die Beete sind frei für andere Kulturen, die auf Vermehrung warten.

Radieschensamen

Radieschensamen

Keimtest der Radieschensamen

Für mich ist ein Keimtest obligatorisch. Er zeigt, ob und wie erfolgreich die Saatgutvermehrung war. Dadurch lässt sich ein Teil der Misserfolge beim Anbau ausschließen, indem die Qualität des Saatguts gesichert ist. Kommt es dann mal im Beet nicht zur Keimung — was immer passieren kann — herrscht zumindest Klarheit darüber, dass es nicht am Saatgut lag. Das schöne an einem solchen Keimtest ist aber auch, dass er den Erfolg der oft monatelangen Arbeit für einen selbst sichtbar macht und das ist doch ein durchaus befriedigendes Erlebnis! Für den Keimtest einfach zwischen zwei angefeuchteten Küchenkrepptüchern eine genügende Anzahl (z.B. 30 Stck. für die statistische Belastbarkeit) zufällig ausgewählter Samen legen und diese mit einem zweiten Teller abdecken. Nach „Bebrütung“ bei gut 20°C (hier: 23°C) kann man dann nach ein paar Tagen oder Wochen (abhängig von der Pflanzenfamilie) diejenigen Samen zählen, die gekeimt haben.

Keimtest Radieschensamen

Keimtest Radieschensamen

Faktentabelle

In der folgenden Faktentabelle sind die wichtigsten Daten zur Vermehrung der Radieschen zusammengestellt.

Sorte unbekannt (rot-weiß, rund)
Aussaat 03/2016
Pflanzung der ausgewählten Saatgutträger 06/2016
Ernte des Saatguts 09/2016
Anzahl der ausgewählten Pflanzen (Saatgutträger) 9 Stck.
Trockengewicht des erzeugten Saatguts 41 g
Ermittelte Keimrate (12/2016, 4d, 23°C, 28/30 Stck.) 93 %
Haltbarkeit gem. Heistinger et al. (2010) 4 – 5 Jahre
Tausenkorngewicht (TKG) ~ 7 g
Erzeugtes Saatgut ~  651 Samen/Pflanze

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